Logo Grafik

Sartana – Interview-Special

Sartana

Eine Hommage an den Spaghetti Western

Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ lautet nicht nur der Titel eines siebziger Jahre Italo-Westerns, nach dem Buch von Synchronlegende Rainer Brandt, sondern auch ein Live-Hörcomic in Concert das ab dem 3. Dezember 2016 auf Deutschland-Tour geht. Punkikone Bela B von den Ärzten kombiniert dabei seine drei Leidenschaften Spaghetti Western, Comics und Musik und hat, gemeinsam mit Regisseur Leonhard Koppelmann, daraus ein mitreißendes Spektakel für die Bühne geschaffen. Ihn begleiten der bekannte Stimmen-Morpher und Geräuschakrobat Stefan Kaminski, Oliver Rohrbeck von den drei Fragezeichen, sowie die Sängerin und Musikproduzentin Peta Devlin. Musikalisch unterstützt werden sie dabei von der Band Smokestack Lightnin‘, die ganz im Stil der berühmten Ennio Morricone-Songs dem Western-Genre huldigt. Die opulenten Illustrationen schuf Robert Schlunze. PLAYtaste traf die drei Protangonisten des Sartana-Teams in Berlin zum Interview – Bela B, Oliver Rohrbeck und Stefan Kaminski.

Ein Bericht von Frank Boldewin und Wolfram Damerius

PLAYtaste: Regisseur Leonhard Koppelmann war Anfangs davon ausgegangen, dass du aufgrund deiner starken Affinität zum Horror-Genre auch einen solchen Stoff umsetzen wollen würdest. Wie kam es letztendlich zu der Entscheidung einen Italo-Western auf die Bühne zu bringen?

Bela: Unsere ursprünglichen Ideen gingen tatsächlich in die Richtung Frankenstein, Dracula usw., allerdings fanden wir dann beide, dass dieses Genre einfach zu naheliegend war. Ich wollte auch nicht nur irgendeine Erwartungshaltung an meine Person erfüllen, denn das habe ich mein Leben lang, auch bei den Ärzten, nicht getan. Als Leo mich dann fragte, ob ich mir auch das Thema Spaghetti-Western vorstellen könne, war ich gleich ganz begeistert, denn wenige Tage zuvor hatte ich mir den Film “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf” angesehen und schlug diesen Film dann vor. Leo kannte den Film noch nicht, aber nachdem er ihn sich angeschaut hatte war er ebenfalls überzeugt.

PLAYtaste: Was genau macht diesen Film so besonders, verglichen zu den anderen drei Sartana-Filmen?

Bela: Das liegt ganz klar an Rainer Brandts genialem Synchronbuch. Im Gegensatz zum schweigsamen Django lebt Sartana von seinen zotigen Sprüchen die Rainer Brandt ihm in den Mund gelegt hat. Erst dadurch wurde der Film zum Kult.

PLAYtaste: War es dein Wunsch Rainer Brandt für das Projekt zu gewinnen oder entstand die Idee erst während des Brainstormings?

Bela: Die Idee entstand im Gespräch mit Leo. Er schlug vor Rainer Brandt mit ins Boot zu holen als Erzähler, was bei mir prompt Schnappatmung verursachte. (lacht) Dazu muss man wissen, dass sich meine Lebensqualität immer um das doppelte erhöht, wenn sich für mich eine Möglichkeit eröffnet eine Legende kennenzulernen. In diesem Fall hatte sich die Gelegenheit zwar noch nicht ergeben, da Leo ihn separat aufgenommen hat, aber ich habe große Hoffnung, dass ich das bei unserem Auftritt in Berlin noch nachholen kann. Zumindest haben wir schon zusammengearbeitet und das ist für mich eine große Ehre und bin stolz, dass er bei dem Projekt mitgemacht hat.

PLAYtaste: Musikalisch begleiten neben dir noch Smokestack Lightnin’ und Peta Devlin die Show. Welche Kriterien gab es bei der Auswahl dieser Mitstreiter und welche Aspekte waren bei der Entwicklung der Songs ausschlaggebend?

Bela: Peta Devlin, als auch die Band arbeiten mit mir jetzt schon länger zusammen und wussten sofort, dass ich sie bei dem Thema an Bord haben wollte. Andre, der Gitarrist von Smokestack Lightnin’ ist zudem einer der wenigen Menschen die noch mehr Italo-Western gesehen haben als ich. (lacht)

PLAYtaste: Von Grafiker Robert Schlunze stammen die Illustrationen, die Teil des Bühnenprogramms sein werden. Wieviel Vorlauf hatte er im Vorfeld und wie verlief die Zusammenarbeit bzw. der Austausch?

Bela: Robert und ich kennen uns noch aus der Zeit in Berlin. Er illustrierte damals schon Plattencover und Artworks für diverse Bands. Zufälligerweise waren wir beide nach Hamburg umgezogen und hatten dann wieder regelmäßig Kontakt. Während unserer Planungsphase kam die Idee auf, zusätzlich noch eine Comicebene ins Bühnenkonzept aufnehmen und dabei kam ich auf Robert, der durch seine langjährige Erfahrung im Comic- und Zeichentrick-Bereich, sowie seiner Affinität zum Hörspiel prädestiniert war für diesen Job. Er hat sich dann den Film angeschaut und musste schon ziemlich schmunzeln. Zusätzlich hatte ich ihn noch mit Musik versorgt und daraufhin fing er an zu zeichnen und schickte uns seine Entwürfe rüber. Leo hat zwischendurch immer wieder Wünsche geäußert, denn er hat das Gesamtwerk orchestriert und konnte genau sagen welche Illustrationen ihm noch fehlten.

PLAYtaste: Wie werden die Leute abgeholt, die mit diesem speziellen Genrestoff nicht vertraut sind?

Bela: Zwischen den Spielszenen werfen wir immer eine Metaebene ein. Dabei nehmen stellvertretend Stefan, Olli und Peta die Rolle der Zweifler und Nichtversteher des Genres ein und vertreten verschiedene Standpunkte, wodurch dem Publikum am Ende transparent sein sollte, warum der Spaghetti-Western genauso wichtig ist wie eine Weltreligion. (lacht)

PLAYtaste: Olli, es ist bekannt, dass du mit Bela schon seit Jahrzehnten befreundet bist. Wieso kam es erst jetzt zu einer Zusammenarbeit?

Oliver Rohrbeck: Wir haben schon oft über ein gemeinsames Hörspielprojekt gesprochen, aber bisher ist uns noch kein gemeinsamer Termin gelungen. Wir hatten auch schon mal an eine Gastrolle bei den “Drei ???” nachgedacht und sind guter Dinge, dass das irgendwann auch mal klappen wird.

PLAYtaste: Heutzutage gilt es doch bei der Synchronisation so nah und authentisch wie möglich am Film zu sein. Wie empfindest du als Synchronprofi die Rainer-Brandt-Synchronära, die sich in der Umsetzung deutlich von den Originalen abhob? Wäre so etwas heute noch vorstellbar?

Oliver Rohrbeck: In 98 Prozent der Fälle gilt die Regel, so dicht wie möglich am Original zu arbeiten. Es gibt aber dennoch wenige Ausnahmen bei denen der Film so langweilig ist, dass Leute wie Rainer Brandt gebeten werden ihn textuell aufzupeppen. Insgesamt finde ich es aber richtig Getreu der Vorlage zu arbeiten, selbst bei scheinbar marginalen Dingen wie ein seufzen, stöhnen oder lachen. Hier gilt es die Stimmung des Originals korrekt zu übertragen.

PLAYtaste: Die ersten Touren im Dezember gelten als Pre-Phase, in der durchaus noch Anpassungen aufgrund von Publikums-Feedback stattfinden können. Wie gravierend können deiner Erfahrung nach solche Anpassungen ausfallen?

Oliver Rohrbeck: Die Möglichkeit zu improvisieren sinkt immer mit der Größe der Veranstaltung. Wenn man in großen Hallen spielt und die Show auf Leinwände projiziert werden, bewegt man sich in einem starreren Gerüst, da Kamera, Ton und Licht punktgenau für gewisse Spielszenen sein müssen. Fallen während der Show dann Dinge auf die nicht funktionieren, baut man sie nachträglich um. In kleineren Hallen mit bis zu tausend Leuten ist man deutlich beweglicher bei der Improvisation, obgleich auch hier nicht allzu viele Veränderungen während der Veranstaltung passieren dürfen. Ich gehe aber davon aus, dass auch bei der Sartana Tour bis zum Februar noch kleinere Anpassungen vorgenommen werden.

PLAYtaste: Stefan, du sprichst eine Vielzahl von Charakteren in Sartana. Wie hast du dich auf die einzelnen Figuren vorbereitet? Kanntest du den Film zuvor?

Stefan Kaminski: Ich habe zwar schon einige Western in diesem Stil gesehen, aber Sartana kannte ich zuvor noch nicht. Mir gefallen Filme die mit ausgeprägten Charakteren arbeiten, zum einen düster sind, aber dennoch einen guten Humor transportieren und vor allem unvorhersehbare Wendungen präsentieren. Das alles bietet Sartana und mir damit automatisch die Möglichkeit die Figuren so zu entwickeln, dass der Zuschauer sie deutlich zu unterscheiden weiß, obgleich ich diverse Rollen übernehme. Gleichzeitig ist aber auch ganz viel spontane Energie in meinem Spiel. Natürlich habe ich den Text für mich vorbereitet, die jeweiligen Rollen identifiziert und ihnen Farben, Haltungen oder einen speziellen Tick gegeben. Das bietet sich bei solch einer Vorlage gerade zu an, denn jede Figur im Stück besitzt ihren ganz eigenen Charakter und das finde ich spannend, denn dadurch kann wie auf einer Klaviatur mit ihnen spielen.

PLAYtaste: Bei der Bühnenfassung bist du auch für die Geräuschkulisse zuständig. Bedienst du dich dafür verschiedener Utensilien als Hilfsmittel oder erzeugst du die Geräusche ausschließlich mit deiner Stimme?

Stefan Kaminski: Es gibt Geräusche die ich niemals mit dem Mund erzeugen würde, weil sie einfach nicht gut klingen würden. Mir ist wichtig, dass der Zuschauer sieht wie die Geräusche auf der Bühne entstehen. Deshalb habe ich in den letzten Wochen ganz viele Utensilien gesammelt und rumprobiert, um z.B. das Geräusch einer Glocke oder Saloon-Tür nachzuahmen. Dabei ist interessant mit was für einfachen Mitteln man oft Geräusche erzeugen kann die klingen wie ein vollkommen anderer Gegenstand. Im Stück gibt es beispielsweise eine Verfolgungsjagd im Glockenturm und das Geräusch der Glocke konnte ich dabei mit einem bestimmten Eisenteil erzeugen, das haargenau so klingt. Manchmal muss man allerdings auch vorgefertigte Geräusche einspielen, weil die selbsterzeugten Alternativen einfach nicht gut klingen, dazu zähle ich z.B. Schüsse. Bei der Fülle von Schüssen die vorkommen, würde sich eine Knallpistole eher lächerlich anhören. Für solche Fälle habe ich mir ein Samplepad gekauft mit acht belegbaren Samples und über leuchtende Schlagzeugstöcke bediene ich dann das Pad. Dadurch kombiniere ich den originalen Schuss mit der Geste.

PLAYtaste: Bei deinen “Kaminski ON AIR”-Live-Tourneen behandelst du vorwiegend anspruchsvolle Stoffe. Wie abwechslungsreich ist es für dich in diese Groschenroman-Thematik einzutauchen?

Stefan Kaminski: Für mich ist erstmal jeder Stoff besonders und beim Western ist das sogar noch ausgeprägter, weil es hier diverse Herausforderungen zu meistern gilt, wie z.B. das erzeugen eines glaubhaften Geräuschportfolios. Mit dem sukzessiven Finden von Möglichkeiten die Atmosphäre der Szenen, neben dem gesprochenen Wort, zu erschaffen ist bei mir die Begeisterung immer mehr gewachsen. Im Studio war der Ablauf klar – wir sprechen die Dialoge und die Geräusche und Musik entstehen anschließend in der Postproduktion. Die wahre Herausforderung erwartet uns nun beim Live-Hörspiel und das reizt mich besonders.

PLAYtaste: Vielen Dank für das Gespräch!